Wolkenbruch und Blitzschlag – Stress für Einsatzleitungen

Hier nun die Details der Übung, Informationen aus der Übungsnachbesprechung und die Erkenntnisse aus der Übung vom 9.3.2010.

Die örtlichen Einsatzkräfte, Einsatzleitungen und die Disponenten der Bezirksalarmzentrale Hollabrunn standen am 9.3.2010 unter enormen Druck. Blitzschlag und heftiger Niederschlag sorgte für chaotische Zustände im Abschnitt Retz, so die Übungsannahme.

Funk – Technik

Obwohl zwei Einsatzleitungen den Kanal wechselten, kam es aufgrund der hohen Anzahl an teilnehmenden Feuerwehren zu einer Überlastung der Sprechgruppe HL Haupt. Ein Vorteil der neuen Digitalfunkgeräte, überregional Funken zu können, zeigte sich bei der Übung nachteilig. Die Funkgespräche der Handfunkgeräte, welche früher aufgrund der Reichweite nicht mitgehört wurden, belegten die Sprechgruppe und störten die anderen Gespräche.
Ein technisches Problem ist der Abbruch der Einzelrufe, sobald ein anderes Funkgespräch auf der Sprechgruppe beginnt. Sämtliche teilnehmenden Feuerwehren bestätigten, dass Einzelrufe an die BAZ nicht möglich waren. Ein kurzfristiger Wechsel, für die Dauer des Einzelrufes, auf eine andere Sprechgruppe brachte hier Abhilfe.

Funkgespräche

Oft kam es durch falsche Handhabung des Funkgerätes zu Problemen bei der Verständigung bzw. der Lautstärke. Dadurch waren viele Wiederholungen notwendig, und der der ohnehin schon überlastete Funkverkehr wurde noch zusätzlich verzögert. Weitere Verzögerungen wurden durch die Nicht-Verwendung des eingespielten Funkverkehr erzeugt.
Diese bereits einfachen und bekannten Regeln des Funkverkehrs, sind bei einem Einsatz oder Übung dieser Größenordnung von großer Bedeutung.

Alarmzentrale

In der Alarmzentrale galt es eine wahre Kommunikationsflut entgegenzunehmen. Funkgespräche über Digitalfunk, analogen Funk, Telefon, Handys, Fax und eMails prallten auf die Disponenten ein.
Aus diesem Grund wird die Bezirksalarmzentrale Hollabrunn bei zukünftigen Übungen oder Einsätzen auf die Sprechgruppe HL-Ausweich-5 wechseln und nur noch über Einzelruf erreichbar sein.
Es zeigte sich außerdem das bei 27 eingesetzten Feuerwehren mit 4 Einsatzschwergebieten und vielen kleineren Einsätzen mindestens 3 Disponenten notwendig sind.

Erkenntnisse

Bei Einsätzen und Übungen dieser Größenordnung sind folgende Erkenntnisse von Bedeutung:
* Kanalwechsel der einzelnen Einsatzleitungen, vor allem muss dieser rechtzeitig, bereits in der Anfangsphase, stattfinden
* Im Bezirk Hollabrunn wird bei einem Brandeinsatz ab Alarmstufe 3 auf einen Ausweichkanal gewechselt, um die Sprechgruppe HL Haupt für Menschenrettungen und kleine Einsätze freizuhalten.
* Aus einsatzorganisatorischen Gründen wird für jeden Bereich ein Ausweichkanal grundsätzlich festgelegt. Der erste Abschnitt benützt den ersten Ausweichkanal, der vierte Abschnitt den vierten. So soll die Kommunikation zur Einsatzleitung erleichtert werden.
* Bei mehreren Einsätzen in einem Abschnitt muss auch auf andere Ausweichkanäle zurückgegriffen werden.
* Bei Unwettern ist das Führen von maximal zwei Einsatzschwerpunkten pro Ausweichkanal möglich.
* Geräte 5 cm vor dem Mikrophon (!) halten (Lautstärke)
* so einfach es klingt: Denken – Drücken – Schlucken – Sprechen ist von großer Bedeutung
* eingespielte Funkverkehr ist unbedingt zu verwenden
* Einrückemeldungen mit Angabe des Einsatzortes helfen in der Alarmzentrale bei der Einsatzzuordnung
* Einsatzleitungen mit mind. 3 geschulten Mitgliedern besetzen
* Sammelrufe sind nach Möglichkeit zu vermeiden da nicht umsetzbar
* Zeitrahmen war zu knapp

Daten und Fakten

* 4 Übungsleitungen
* 27 Feuerwehren
* 3 BAZ-Disponenten
* 30 Einsätze in 7 Katastralgemeinden
* 47 Alarmierungen in 60 Minuten
* 12 weitere Verständigungen laut Alarmplan

Zukunft

Eine zusätzliche Schulung der Einsatzleitungen, einige Tage vor der Übung, soll helfen die notwendigen Grundlagen zu vertiefen und die Einsätze realitätsnah abzuwickeln. Die Aufgaben in der Einsatzleitung müssen routinemäßig erledigt werden, um Kapazitäten für einsatztaktisches Vorgehen und Vordenkens zu haben. Einer überlasteten Einsatzleitung passieren meistens Fehler.
Bei der nächsten Übung werden die Feuerwehren zu den Einsatzgebieten ausrücken um den einsatznahen Ablauf besser zu simulieren und die Rahmenbedingungen für die Übung der Einsatztaktik zu setzen. Bei dieser Übung werden auch Bezirksausbilder auf die richtige Befehlsgebung achten und Tipps für die Einsatzleitung geben. Somit steht für jede Einsatzleitung ein dreiköpfiges Team zur Seite: Einsatzleitung, Lageführung und Übungsgestaltung.
Um einen Einblick in die Arbeit der Alarmzentrale geben zu können, wird in der Zukunft ein Video aufgezeichnet und zur Verfügung gestellt.

Resümee

Das Feedback über die Übung war außerordentlich positiv. Vor allem die Einsatzleitungen und die Bezirksalarmzentrale konnten in einem Rahmen praxisgerecht üben der sonst nicht möglich wäre.
Auch wenn einige Bereiche improvisieren mussten, so pochten alle auf den dadurch erhaltenen Erfahrungswert.
Das Interesse im und auch außerhalb des Bezirkes ist groß und es gibt noch weitere Disponenten die sich ebenfalls auf die Ausbildung freuen.
Das Bezirksfeuerwehrkommando Hollabrunn wird deshalb die nächste Übung am 4.5.2010 im Abschnitt Haugsdorf durchführen. Die Abschnitte Ravelsbach und Hollabrunn sind für die 2. Jahreshälfte geplant.
Das Bezirksfeuerwehrkommando bedankt sich nochmals bei allen Beteiligten.

Quelle: BFKDO Hollabrunn

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